Wer hat ein Interesse an persönlichen Daten und Inhalten?

An den persönlichen Daten der Netzwerknutzerinnen und -nutzer bestehen neben wirtschaftlichen und staatlichen auch kriminelle Interessen.

Wer hat ein Interesse an persönlichen Daten und Inhalten?

Netzwerkbetreiber finanzieren sich oft über Werbung.

Wirtschaftliche Interessen

Neben personellen bestehen auch wirtschaftliche Interessen an persönlichen Daten und Inhalten der Nutzer. Die meisten Netzwerkbetreiber bieten eine kostenlose Registrierung an, allerdings denken auch sie gewinnorientiert. Die Auswertung der Nutzerdaten in Datenbanken (Social Graph) gibt Auskunft über das Verhalten und die Vorlieben der User. Mit den gewonnen Informationen lässt sich Werbung individuell platzieren. Die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen der Netzwerkbetreiber informieren meist detailliert über die Verwendung der Daten. So wird in den Nutzungsbedingungen von amerikanischen Unternehmen wie Facebook und MySpace darauf hingewiesen, dass die gewonnen Daten auch von Dritten wirtschaftlich verwertet werden können. Deutsche Netzwerkbetreiber wie StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ geben die persönlichen Daten bisher nicht an Dritte für Werbezwecke weiter. Der Nutzung der Daten für personalisierte Werbezwecke kann bei diesen Anbietern aktiv widersprochen werden. Es empfiehlt sich, die Nutzungsbedingen vor der Registrierung sorgfältig zu lesen. Minderjährige Schülerinnen und Schüler sollten dabei die Hilfe eines Erwachsenen in Anspruch nehmen. Weitere Interessenten sind Versicherungen, die spezielle Risikofaktoren vor Abschluss einer Lebens- oder KfZ-Versicherung ermitteln wollen. Auch Vermieter nutzen das Netz, um sich über unerwünschte Verhaltensweisen ihrer zukünftigen Mieter zu informieren. Auskunfteien können die Daten für Ermittlung von Kaufkraft oder Kreditwürdigkeit auswerten. Und nicht zuletzt speichern und kopieren auch private Nutzer ständig veröffentlichte Inhalte über deren weitere Verwendung man meist im Ungewissen bleibt.

 
 

EU-Richtlinien schreiben Vorratsdatenspeicherung vor.

Staatliche Interessen

Mit dem Argument der effektiveren Strafverfolgung wurde das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung am 1. Januar 2008 in Kraft gesetzt. Das Gesetz verpflichtet alle Anbieter von Telekommunikationsdiensten zur Registrierung von elektronischen Kommunikationsvorgängen und deren Speicherung für mindestens sechs Monate. Zugang zu den Daten haben die Staatsanwaltschaft, die Polizei, die Nachrichtendienste und ausländische Staaten im Rahmen von Rechtshilfeübereinkommen. Genutzt werden dürfen die Daten sowohl zur Verfolgung als auch zur Abwehr von Straftaten und erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit. Dieses Gesetz ist am 2. März 2010 vom Bundesverfassungsgericht für grundgesetzwidrig und nichtig erklärt worden und muss neu verabschiedet werden, da Deutschland zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2006/24/EG verpflichtet ist. Die Speicherung der Daten ist aber weiterhin grundsätzlich mit einer Reihe enger Vorgaben möglich.

 
 

Datensparsamkeit beugt Missbrauch vor.

Kriminelle Interessen

Persönlich Daten können auch in krimineller Weise missbraucht werden. Die Nutzer von Netzwerken geben viel von sich preis: Name, Geschlecht, Alter und oftmals auch Adresse und Kontaktdaten. So ist beispielsweise das Phänomen Cyber-Grooming entstanden, bei dem pädophile Personen sich unter falschen Angaben im Netz das Vertrauen von Minderjährigen erschleichen. Die Angaben eines Users, wann er sich im Urlaub befindet, können Einbrechern nützliche Hinweise geben. User können auch unbewusst Daten von sich preis geben: Die Technologie von navigationsfähigen oder GPS-Handys ermöglicht bei der direkten Veröffentlichung von Fotos im Netz den Zugriff auf Informationen über den Ort der Bildaufnahme (auf zwei Meter genau).

 

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