Redaktion lo-recht
01.12.2013

Schneeballschlacht versichert? - Fall des Monats 12/2013

Wird ein Lehrer in einer Schneeballschlacht am Auge verletzt, so kann das einen versicherten Dienstunfall darstellen. Selbst dann, wenn die Schulordnung das Werfen von Schneebällen verbietet. Das hat das Verwaltungsgericht Freiburg entschieden (Az. 5 K 1220/11).
 

Ein Lehrer war auf dem Schulgelände auf dem Weg zur nächsten Stunde, als ihm Schüler seiner Klasse vor dem Gebäude auflauerten und ihn mit Schneebällen bewarfen. Er hielt seine Mappe schützend vor sein Gesicht, rannte auf die Schüler zu und rief ihnen zu, dass sie aufhören sollten. Schließlich sei es unfair, dass nur er beworfen werde. Daraufhin hat sich eine allgemeine Schneeballschlacht mit dem Lehrer entwickelt, in der jeder jeden bewarf. Dabei ging ein Schneeball direkt ins Auge des Pädagogen, der daraufhin einen Monat krankgeschrieben war.

 

Entscheidung im Fall des Monats Dezember 2013

Die Schulbehörde, hier das Regierungspräsidium Freiburg, hatte den Antrag  des Lehrers auf Anerkennung eines Dienstunfalls abgelehnt. Es fehle der natürliche Zusammenhang mit seinen Dienstaufgaben. Zudem habe er gegen die Interessen des Dienstherrn gehandelt, da die Schulordnung es ausdrücklich verbietet, Schneebälle zu werfen. Indem er dieses Verbot missachtete, verletzte er außerdem seine erzieherische Vorbildfunktion. Daher sei die Schneeballschlacht reine Privatsache gewesen und somit seine Augenverletzung kein Dienstunfall.

Der Lehrer entgegnete, dass er den Schneeballangriff aufgrund seines guten Verhältnisses zu den Schülern nicht als böswillig, sondern als "Ausdruck der Lebensfreude" verstanden habe. Hätte er mit seiner Autorität als Lehrer das Schneeballwerfen verboten oder den Ort teilnahmslos verlassen, hätte er sich vor den Schülern nur lächerlich gemacht. Die Unterscheidung des Regierungspräsidiums zwischen einer dienstlichen defensiven Verteidigungsphase und der darauf folgenden privaten Teilnahme an der Schneeballschlacht bezeichnet der Lehrer als lebensfremd.

Das Verwaltungsgericht Freiburg aber stellt klar, dass der Beamte die dienstunfallrechtliche Fürsorge nicht verlor, indem er gegen das Schneeballschlacht-Verbot der Schule verstieß. "Wie auch in der gesetzlichen Unfallversicherung erlischt der Schutz nicht unbedingt durch ein verbotswidriges Verhalten", erklärt Rechtsanwalt Tim Vlachos. Erst mit einem "dienstfremden Exzess", wie etwa einer Schlägerei auf einer Betriebsfeier oder einer Alkoholfahrt danach, würde ein Beamter den dienstlichen Rahmen objektiv wie subjektiv verlassen, betonen die Richter. Daher gab das Verwaltungsgericht dem Lehrer recht und verpflichtete die Behörde, den Vorfall als Dienstunfall anzuerkennen.

Der Fall des Monats

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